Als Unnaer Esel geboren 1.0

2026 07 14 Vor einigen Wochen habe ich auf der Facebookseite „Du kommst aus Unna, wenn …“ Fotos aus einem Stadtrundgang gesehen und überlegt, ob ich so etwas nicht auch einmal machen möchte. Ja, ich möchte.

Als echter Unnaer Esel habe ich immer irgendwelche Situationen aus meinem alten Leben im Sinn. Unna trage ich seit meiner Geburt im Herzen, auch wenn ich schon über 50 Jahre nicht mehr in Unna wohne. 1975 bin ich zum Studieren in den Kreis Paderborn gezogen. In den ersten Jahren war das Heimweh nach Unna so groß, dass wir (meine damalige Partnerin – aus Kamen – und ich) nahezu wöchentlich zurück mussten. Das änderte sich etwas, als unsere erste Tochter kam. Die Frequenz der Heimatbesucher wurde etwas geringer.

Einmal zum alten Markt, einmal in die Bahnhofstraße, dann die Klosterstraße wieder rauf oder in die Massener Straße und dann die Gürtelstraße zurück. Das war Heimat pur. Vor allem dann, wenn man mitten in der Stadt, am und im Rahlenbeckschen Hof aufgewachsen war.

Heute ist meine Heimat in Borchen-Alfen im Paderborner Land.

Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass, was schon so lange im Gedächtnis ist, mal aufzuschreiben. Für mich und für die FB-Gruppe. Vielleicht befindet sich ja in der Gruppe jemand, der ähnliches erlebt hat. Ich habe mich z. B. sehr darüber gefreut, als ich in der Gruppe die Friedhofsglocke erwähnt habe und dann jemand schrieb: Die gibt es immer noch.

Ich habe vor, mehrere Blogs über meine Zeit in Unna zu schreiben. Der erste startet jetzt hier.

Die Idee war, frühmorgens nach Unna zu fahren um beim Fotografieren möglichst leere Straßen zu haben, meine alten Schulen zu fotografieren und anschließend im Katharinenkrankenhaus (heute: CKU Mitte) zu frühstücken.

Das Katharinenkrankenhaus ist für mich mit mehreren Geschichten verbunden:


1. Ich wurde dort geboren. An einem Freitag im Dezember 1954. Auf dem Bild bin ich 6 Wochen alt und auf dem Arm meiner Mutter.

2. Als ich mir im Alter von 5 Jahren in unserer Waschküche den rechten Arm verbrühte („Kannst du bitte mal den Wasserschlauch halten?) Ich stolperte und fiel, konnte mich gerade noch abstützen. Leider in kochendheiße Lauge. Die Narben der Verbrennung habe ich heute noch

Also schnell ins Krankenhaus. Damals hatte ich den Kopf voller Locken und das Krankenhaus kein Bett im Jungenzimmer frei. Was haben die Schwestern gesagt und gemacht: Mit den Locken fällt der bei den Mädchen gar nicht auf.

Ich kam auf ein Mädchenzimmer.

3. Damals gab es neben dem Krankenhaus den Katharinenkindergarten. Direkt links neben dem damaligen Haupteingang,

Mein Aufenthalt dort war allerdings sehr begrenzt: An meinem ersten Kindergartentag (!) wurde ich kurz vor Mittag auf einen Schrank gesetzt, weil man „mit mir nicht fertig wurde“. Als mich meine Mutter mittags abholte wurde ihr gesagt: „Den können wir hier nicht gebrauchen!“ Damit war meine Kindergartenzeit nach nur einem Vormittag beendet. Seitdem war ich immer dann, wenn es möglich war, in unserem großen Garten an der Mozartstraße. Direkt gegenüber der Katharinenschule 2. Wahrscheinlich habe ich dadurch meine Liebe für das Gärtnern entdeckt. Und die hält bis heute an.

Ich habe bis heute nicht verstanden, wie sich christliche Schwestern mit dem Motto ihres Gründers Vincenz von Paul „Liebe sei Tat“ derart armselig verhalten haben.

4. Das Krankenhaus lag auch auf meinem Schulweg. Auf dem Heimweg duftete es immer verführerisch aus dem offenen Kellerfenster der Krankenhausbäckerei. Manchmal staubten wir Puddingteilchen oder eine Rosinenschnecke ab. Wenn dem Bäcker unser Betteln aber zu bunt wurde, gabs statt Plätzchen eine Tasse Wasser.

5. Ein ganz wesentlicher Part meiner Kindheit war die Tätigkeit als Meßdiener. Meine Eltern und meine bei uns lebende Großmutter waren streng katholisch. Ich musste also Meßdiener in der Katharinenkirche werden. Irgendwann wurde ich es zusätzlich in der Kapelle im Katharinenkrankenhaus. Mehrmals in der Woche also 5.30 Uhr aufstehen, 6.00 Uhr Messe dienen. Etwa eine halbe Stunde. Nicht so schön war das frühe Aufstehen, schön dagegen das frische Brot mit Butter und dick belegt mit Fleischwurst nach der Messe in der Kantine. Allein dafür lohnte sich der Aufwand. Das Schönste war aber in jedem Jahr ein großes Geldgeschenk zu Weihnachten.

Meine ersten Fotos heute früh sollten von den ehemaligen Katharinenschulen 1 und 2 sein.

Tja, und da musste ich erkennen, dass es die Schule, in denen ich die ersten 4 Jahre verbrachte, nicht mehr gab. Also gibt es hier nur ein eigenes Foto von der Katharinenschule 1. Und weitere, die aus der Fotosammlung „Stadtarchiv Unna“ stammen. Vielen Dank dafür.

Bis zum Frühstück in der Krankenhauscafeteria hatten wir heute früh noch etwas Zeit.

Also war die Glocke auf dem alten Westfriedhof das nächste Ziel. Ich kann sagen: Sie klingt noch wie vor 60 Jahren.

Schließen möchte ich diesen Blog mit einem Bild von meinem ersten Schultag. Das Schuljahr begann damals immer nach den Osterferien. Gemacht wurde dieses Bild vom Fotografen Anton Buller, der in der Bahnhofstraße eine kleine Drogerie mit Fotoabteilung betrieb. Heute fotografiere ich selbst. Schaue ich mir dieses Bild fotografisch an, finde ich eher: Geht so. Vorsichtig formuliert. Aber egal, es ist ein Dokument. Und vielleicht war Anton Buller und seine Drogerie ja der Grund, warum ich bis heute fotografiere. Oder das Bild? Oder beides? Ich habe jedenfalls in meiner Unnaer Zeit viele Filme in der Schwanendrogerie gekauft und entwickeln lassen. Und:

Dort habe ich auch meine erste Kamera gekauft. Damals knapp unter 10 Mark.

Ach ja 1: Das Frühstück war vor 60 Jahren gut, heute auch. Durchaus empfehlenswert. Schau mal (für 2 Personen):

Ach ja 2: Im nächsten Blog beschäftige ich mich mit dem Umfeld „Rahlenbeckscher Hof“.

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